© Reinhold Kiss / PIXELIO
Am Sonntag ist es wieder so weit. Das Finale eines der 4 größten Tennisturniere der Welt steht an (9:30 Uhr). Nur kriegt das die breite Masse in Deutschland kaum oder gar nicht mit. Hört man sich als Tennisinteressierter im Freundeskreis um, hört man häufig Sätze wie: “Ich kenn da keinen einzigen Spieler. Oh doch- den Federer aus der Rasiererwerbung” oder: “Hmmm, Tennis hab ich seit Boris Becker nicht mehr geschaut. Gibt es überhaupt Deutsche, die gut sind?”, oder gar: “Tennis? Das ist doch voll langweilig.”
Welchen Stellenwert Tennis in Deutschland hat, lässt sich auch an der Berichterstattung auf Bild.de ablesen. Im Sportteil muss man schon ziemlich weit nach unten blättern, um etwas über die Australian Open zu lesen. War Tennis nicht mal ein Familienereignis, ein Thema, über das man auch am nächsten Tag auf der Arbeit noch gesprochen hat und haben nicht hunderte Familien ihr Kind im Wohnzimmer gegen die Wand spielen lassen, weil das die Steffi Graf auch so gemacht hat? War Tennis nicht mal so etwas wie die zweite Volkssportart nach Fußball?
Die Meisten antworten darauf wohl mit dem Argument, dass die Deutschen damals mit Steffi und Boris auch immer gut dabei waren. Sicherlich ist ein Finale, wie das zwischen Becker und Stich in Wimbledon 1991, interessanter für die Deutschen, als wenn da Spieler mit anderen Nationalitäten stehen. Doch der völlige Wegfall bei Übertragung und Berichterstattung (Eurosport ausgenommen) ist schon sehr enttäuschend. Früher hat man doch auch andere Spieler sympathisch gefunden und ihnen die Daumen gedrückt, manchmal sogar, wenn es gegen einen Deutschen ging. Man denke an den jungen, wilden, langhaarigen Andre Agassi, den Publikumsliebling Thomas Muster oder Schönling Stefan Edberg.
Die Fernsehsender scheinen heute nicht mehr daran zu glauben, dass Tennis gern gesehen wird. Dabei hat sich die Sportart ebenso wie der Fußball enorm weiter entwickelt und das Niveau, gerade bei den Männern, ist extrem hoch. Jemand, der lange kein Tennis mehr gesehen hat, wird sich über die enorme Power, mit der gespielt wird, wundern. Auch das “Langeweile-Argument” kann nicht gelten. Das Publikum muss heute längst nicht mehr so ruhig sein, wie noch zu Beckers Zeiten. Da wird laut angefeuert und mitgefiebert. Auch die Einführung des sogenannten Hawk-Eyes ist für die Zuschauer bei jedem Einsatz ein Spektakel. Viele, die Tennis lange nicht mehr verfolgt haben, werden gestutzt haben, weil ihnen das Wort “Hawk-Eye” völlig unbekannt ist. Es handelt sich um ein System zur Überprüfung der Position des Balles beim Aufprall auf den Boden. Der Spieler hat dadurch die Möglichkeit, eine Entscheidung des Schiedsrichters überprüfen zu lassen (mehr dazu: Meyers Lexikon online). Diese Überprüfung geschieht öffentlich, indem die Flugbahn des Balles auf der Leinwand in Zeitlupe angezeigt wird. Spieler und Zuschauer erfahren das Ergebnis zur gleichen Zeit. Oft ist der Ball so knapp an der Linie, dass ein lautes Raunen oder Lachen ausgelöst wird.
Jedem, der Tennis mal gemocht hat, sei also das Grand Slam Turnier in Australien wärmstens an Herz gelegt. Am Sonntag ist es vorbei, also schnell nochmal bei Eurosport reingeschaut. Wenn man lange kein Tennis mehr gesehen hat, ist es auch ganz gut, erstmal wieder mit Topspielen reinzukommen. Und es gibt jetzt nur noch Topspiele in Melbourne.
Der Weltranglistenzweite Roger Federer steht schon im Finale und sein Gegner wird auf jeden Fall ein Spanier sein, entweder Fernando Verdasco oder die Nummer 1 der Welt Powerspieler Rafael Nadal. Das Halbfinale findet am Freitag um 09:30 Uhr statt.
Bei den Damen stehen die Finalistinnen schon fest: Dinara Safina aus Russland und die US-Amerikanerin Serena Williams. Die Siegerin des am Samstag (9:30 uhr) stattfindenden Spiels wird die neue Nummer 1 der Welt sein.
Es gibt also genug Gründe, Tennis zu schauen- auch wenn dieses Wochenende wieder Fußball anfängt.
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Irgendwie ist es traurigerweise allgemein so, dass in Deutschland nur der Sport angenommen wird und in den Medien präsent ist, in dem es auch erfolgreiche deutsche Athleten gibt. Da können die sportlichen Leistungen, die da geboten werden, noch so hochklassig sein. Echt schade, dass es so ist! Aus anderen Ländern kenn ich das anders…
[...] Topspielerin im Tennis groß zu sein scheint. Hatte ich doch vor einiger Zeit geschrieben, dass man eine Lanze für den Tennissport brechen müsse. Jetzt sieht man, dass das Interesse am Hin- und Herschlagen eines gelben Balles [...]