Hinter den Mannschaftstaktiken im Basketball stehen oft verschiedene Philosophien, oft geprägt von außergewöhnlichen Trainergestalten. In der NBA etwa setzte Pat Riley mit den Detroit Pistons und später den New York Knicks auf eine knallharte Defense, die Coaches der L.A. Lakers ließen in den 80er Jahren den Showtime-Express rollen und zelebrierten Offensivbasketball und Phil Jackson holte mit den Chicago Bulls und seiner legendären Triangle-Offense Titel um Titel.
Den Namen des Trainers der BG 74 Göttingen John Patrick in einem Atemzug mit Riley und Jackson zu nennen, scheint zunächst vermessen. Zudem ist die Basketball Bundesliga nicht die NBA und die Kleinstadt Göttingen auch sicher nicht mit New York oder L.A. zu vergleichen.
Dennoch hat Patrick mit Riley & Co was gemeinsam: eine eigene Basketball-Philosophie. Patrick lässt bis zu vier Guards gleichzeitig spielen und setzt damit auf kleine Spieler. „Small ball“ heißt das. Diese kleinen, schnellen Spieler „terrorisieren“ die gegnerische Mannschaft mit einer Ganzfeldverteidigung über die volle Spieldauer – das ist der „guard terror“.
Diese Philsophie ist allerdings nicht Patricks eigene Erfindung, sondern quasi ein Import des Amerikaners aus seiner Heimat: Seine High-School-Mannschaft in Maryland pflegte erfolgreich die gleiche Spielweise und wurde State Champion. Patrick hat seine Philsophie nach Göttingen mitgebracht, auf das Team übertragen und die Veilchen in ihrer erst zweiten Bundesligasaison mit small ball und guard terror an die Spitze der Liga geführt.
Meinung: Einfach sensationell, was John Patrick da in Göttingen vollbracht hat. Wirft man derzeit einen Blick auf die Homepage des Deutschen Basketball Bundes (BBL), findet sich jedoch erst am Ende der zweiten News-Seite ein erster redaktioneller Beitrag über den Tabellenführer – den Kleinstädtern aus Göttingen fehlt noch die mediale Anerkennung. Der Coach der Veilchen hat aber offensichtlich nicht nur eine eigene Spielphilosophie, sondern auch ein gutes Händchen bei der Zusammenstellung seines Teams. Denn Göttingen hat längst nicht vergleichbare finanzielle Mittel wie Berlin oder Bamberg in der Hand. Auch da müssen Patrick, die Scouts und das Managment gute Arbeit geleistet haben.
Zum Thema small-ball: Der klassische Center-Spieler, wie er in Shaquille O’Neal (Phoenix) oder Zydrunas Ilgauskas (Cleveland) heute noch zu finden ist, gibt es in der NBA kaum noch. Allgemein scheint die klassische Einteilung der Spieler auf eine Position hin (Guard, Forward, Center, ect.) nicht mehr zu gelten. Hier geht die Tendenz zu Allroundern a lá LeBron James oder Carmelo Anthony, die schnell sind, einen guten Distanzwurf haben, sich im eins-gegen-eins und auch unter den Körben durchsetzen können. Zu Spielern also, die für small-ball perfekt geeignet sind. Ein interessanten Beitrag zu diesem Thema bietet auch die USA Today.
Diskussion: Was haltet Ihr davon? Gehört der klassische Center zu einer aussterbenden Spezies und geht die Tendenz zu Allround-Spielern? Gehört small-ball die Zukunft? Und was haltet ihr von der BG 74 Göttingen und ihrer Leistung in dieser Saison?
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Guter Artikel, die Vergleiche sind wirklich gelungen, ich bin gespannt, ob die BG dieses starke Defense-Verhalten auch in den Playoffs halten kann. Wir, die Fans, stehen wie eine Wand hinter der Mannschaft.
Danke für das Lob BG Lover. Ich bin aus der Region Göttingen und drücke den Veilchen die Daumen! Ein tolles Team und geht man nach den Videos auf YouTube auch eine geniale Stimmung bei den Heimspielen.
Die Zeiten, wo ein dominanter Center das Zentrum eines NBA-Teams war, sind meiner Meinung nach nicht unbedingt vorbei. Doch gibt es einfach zu wenige dieser großen Teddybären, die dem klassischen Center-Ideal entsprechen und dazu noch Basketball spielen können oder körperlich dermaßen überlegen sind, dass man sie nicht halten kann.
Shaquille O’Neal war bestimmt nie ein guter Techniker oder Schütze – diese Defizite hat er aber durch seine Power wettmachen können und die Würfe aus zwei Meter Entfernung hat er eben verwandelt. Langt!
Vielleicht gibt es auch einfach immer wieder Phasen, in denen mehr von den großen Kerls hervorgebracht werden und den Weg in die NBA schaffen. Ich denke da an die Generation Hakeem Olajuwon, Patrick Ewing, David Robinson.
In jüngerer Zeit lässt sich an Dwight Howard erkennen, dass es auch heute noch möglich ist, ein gutes Team um einen dominanten Center herum aufzubauen.
Dennoch waren es wohl auch hier wieder die Chicago Bulls, die in dieser Hinsicht eine Entwicklung in Gang gesetzt haben, die bis heute anhält, indem sie auch ohne dominanten Center ihre Spiele gewannen und Titel holten.
… need tilo back …
[...] ab und haben den Oldenburgern Profis mit einer teilweise perfekt gespielten Ganzfeldpresse (mit Small-Ball und Guard-Terror) wohl den Arbeitstag gründlich verdorben. Mit ihrer aggresiven Verteidiung störte die BG das [...]
[...] im Winterschlaf gelegen haben. Als Cinderella-Story wurde die Göttinger Saison bezeichnet. Der Guard-Terror erklärt beim Ausputzer. Das leela Wunder dieser Saison hat unglaublich viel Aufmerksamkeit verdient und bekommen. Nun [...]